Abgestrahlt:
Wie gefährlich ist das Telefonieren mit Handys?
[Autor:
Meike Khoshbakht und Dorina Rechter
Die mögliche Gefahr für die Gesundheit durch Telefonieren mit dem Handy ist Gegenstand weltweiter Forschung. In Australien vermuten Wissenschaftler, dass die Strahlung von Handys nicht den Krebs auslöst, aber das Wachstum von Krebszellen beschleunigen kann. In einem Versuch wurde eine Gruppe von Mäusen 18 Monate lang regelmäßig einem elektromagnetischen Feld ausgesetzt. Frequenz und Feldstärke entsprachen der eines Mobiltelefons. Die Mäuse einer Vergleichsgruppe blieben unbestrahlt. Im Ergebnis entwickelten die bestrahlten Mäuse doppelt so häufig Krebs wie die unbestrahlten. Wissenschaftler streiten nun darüber, ob das Resultat auf Menschen übertragbar ist.
Forscher der Universität Bristol in England fanden heraus: Mobiltelefone schaden dem Kurzzeitgedächtnis. Außerdem nehmen die Reaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit ab, wenn Menschen ihr Handy lange am Ohr haben. Die bekannteste Folge der Handy-Nutzung: Die Strahlung erwärmt, wie ein sehr schwaches Mikrowellengerät, das Gewebe. Gemessen wurden im Gehirn ein paar tausendstel Grad, im Stirnbereich einige hundertstel, im Augeninnern einige zehntel Grad.
Auch in Deutschland ist mittlerweile das wissenschaftliche Interesse geweckt. So untersuchen etwa Wissenschaftler der Universität Lübeck die gepulste Strahlung der Mobiltelefone. Anzeichen dafür, dass die Handystrahlung Gehirnströme beeinflusst und sich auf das autonome Nervensystem auswirkt, hat der Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing entdeckt. Welche Auswirkungen die Strahlung auf den Menschen hat, das müssen Langzeituntersuchungen zeigen. Die Meinungen schwanken zwischen Krebsgefahr ja und Krebsgefahr nein.
Dr. George Carlo beispielsweise arbeitete im Auftrag der amerikanischen Mobilfunkindustrie an einer Studie über Gefahren von Handys - und wurde anschließend gefeuert. Seine Studie, so der Wissenschaftler und Autor, zeigt ein deutlich höheres Risiko für Mobiltelefonierer, an einem Gehirntumor zu erkranken. Vorwürfe von Forschern: Mobiltelefone wurden vor ihrer Markteinführung nie getestet, außerdem beeinflussen die Mobilfunkbetreiber die Forschung - die sie aus eigenen Mitteln finanzieren.
Schließlich geht es auch um einen Milliardenmarkt. In Deutschland telefonieren inzwischen rund 48 Millionen Menschen mobil - mehr als jeder zweite. Damit hat sich die Zahl der Mobilfunkteilnehmer in nur einem Jahr verdoppelt. Die Zuwachsraten beim Absatz von Mobiltelefonen wird im laufenden Jahr nach Einschätzung von Analysten allerdings vermutlich geringer ausfallen als bislang erwartet. Die derzeitigen Prognosen unterstellen für das Jahr 2001 einen weltweiten Handy-Absatz von etwa 450 bis 500 Millionen Stück. Im vergangenen Jahr wurden global rund 400 Millionen Geräte verkauft. Nach Meinung von Experten habe das Angebot mittlerweile die Nachfrage übertroffen.
Informationen zu Mobiltelefonen und Gesundheitsgefahren:
Dr. Lebrecht von
Klitzing
Klinisch-Experimentelle Forschungseinrichtung (KEF)
Medizinische Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Telefon: 0451-500 2860
Fax: 0451-500 4193
e-mail: klitzing@medinf.mu-luebeck.de
Der Tumorpatient
Brian Barrett /Atlanta, USA, veröffentlicht seine Geschichte
unter:
www.cellphonebraintumor.com
e-mail: b.barrett@netswork.net
Andere weiterführende
Informationen:
EEG-Studien: Universität Zürich:
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Professor Dr. Peter Achermann
Internet: www.unizh.ch/phar/sleep/handy/
Ecolog-Institut
Nieschlagstraße 26
30449 Hannover
Internet: www.ecolog-institut.de
Forschungsgemeinschaft
Funk e.V.
Rathausgasse 11a
53111 Bonn
Internet: www.fgf.de
Bundesamt für
Strahlenschutz
Institut für Strahlenhygiene
Ingolstädter Landstraße 1
85764 Oberschleißheim (Neuherberg)
Internet: www.bfs.de
Selbsthilfegruppe
für Elektrosensible
Im Gesundheitshaus der Stadt München
Dachauerstraße 90
80335 München
Tel.: 089/233-37501
Links im
Internet:
National Radiological
Protection Board (Grossbritannien)
World Health Organisation
- EMF Project
Australian Academy of
Science's
European Commission
Expert Group
National Cancer Institute
Fachartikel und Reportagen im Wissenschaftsmagazin New Scientist:
http://www.newscientist.com
http://www.newscientist.com/nsplus/insight/phones/
Kommerzielle
Seite mit Verweisen auf internationale TV-Berichte:
http://www.goaegis.com
Fachliteratur
und -berichte der US-Air Force:
http://www.brooks.af.mil
Diese Texte geben den Inhalt der Beiträge der Sendung "Plusminus" vom 17.April 2001 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen der Sachverhalte sind nicht berücksichtigt. Der NDR ist nicht für die Inhalte fremder Internet-Seiten verantwortlich, die Sie über einen Link erreichen.